Der kürzlich im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellte Regionale Wohlfahrtsindex (RWI) Rheinland-Pfalz stellt eine neue Form der gesellschaftlichen Bilanzierung dar, die – anders als das häufiger zitierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) – stärker die sozialen Rahmenbedingungen einer Region berücksichtigt. Zu den Ergebnissen der Studie äußert sich der sozialpolitische Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz Daniel Köbler:
„Wachstum allein ist nicht per se gut, sondern es kommt darauf an, was wächst und wie wir Wachstum gestalten. Wir GRÜNE stehen für intelligentes Wachstum: Gerade die steigende Ungleichheit bei der Einkommensverteilung zeigt, dass hier Handlungsbedarf ist. Der Kampf gegen das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft ist eine der zentralen Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Deshalb haben wir uns im Koalitionsvertrag verpflichtet, einen landesweiten Aktionsplan gegen Armut zu erstellen, der Empfehlungen für Maßnahmen auf allen Ebenen zur Bekämpfung und Vermeidung von Armut enthält.
Nicht jedes Wirtschaftswachstum führt dazu, dass es den Menschen bei uns auch besser geht. Es ist ein dringender Auftrag an die Politik, wenn wir im Regionalen Wohlfahrtsindex (RWI) für Rheinland-Pfalz einen Rückgang von 2000 bis 2013 um acht Prozent zu verzeichnen haben. Die Studie zeigt, was die zentralen Ursachen dieser Entwicklung sind: die zunehmend ungleiche Einkommensverteilung und höhere Umweltkosten. Hier wird einmal mehr deutlich, wie zwingend der von uns GRÜNEN geforderte sozial-ökologische Wandel ist – im Interesse von uns allen.“
Hintergrund:
In jüngster Zeit wird das BIP als Indikator für den Wohlstand einer Region zunehmend kritisiert, werden doch darin Faktoren wie Gesundheit, soziale Beziehungen und eine intakte Umwelt zu wenig erfasst. Der RWI, der neben dem wirtschaftlichen Wohlstand auch stärker soziale und ökologische Faktoren einrechnet, sank auf 92, gemessen am Referenzjahr 2000 mit einem Index von 100. Gleichzeitig stieg das BIP auf den Wert von 108. Der RWI berücksichtigt neben dem privaten Konsum die Einkommensverteilung und bezieht auch den Wert von Hausarbeit und ehrenamtlicher Tätigkeit sowie öffentliche Ausgaben für Gesundheit und Bildung ein. Abgezogen werden negative Werte wie Verkehrsunfälle, Kriminalität und Umweltschäden.



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