Kaum öffnet das katholische Irland per Volksentscheid(!) die Ehe für Homosexuelle, verfällt der konservative Teil der deutschen Presse und Politik in Panik. Vorurteile, seit Jahren widerlegte Scheinargumente und das bekannte „ungute Bauchgefühl“ werden wieder hervorgekramt. Man könnte meinen das „Abendland“ geht jede Sekunde unter. Dabei ist die Öffnung der Ehe ein Erfolg der aufgeklärten, modernen, pluralistisch-demokratisch, „abendländischen“ Gesellschaft gegen verkrustete reaktionäre Strukturen, aufkommender gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und totalitär-religiösen Fanatismus.
Die Institution Ehe auf die Reproduktion der Gesellschaft zu reduzieren ist nicht nur ahistorisch und auch theologisch falsch, sondern auch beleidigend und diskriminierend gegenüber hetero-, wie homosexuellen Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Kinder bekommen können oder wollen.
Wie fühlen sich nun verheiratete Männer und Frauen, die keine Kinder bekommen können oder keine wollen, wenn aus konservativen Lagern solche Argumentationen kommen?
Und wie fühlen sich verheiratete Ehepaare mit Kindern, wenn ihnen gesagt wird, dass ihre Ehe auf die Funktion der Reproduktion der Gesellschaft reduziert wird?
Und wie fühlen sich Homosexuelle in Partnerschaft die schon heute liebevoll Verantwortung füreinander und für Kinder übernommen haben?
Wie passt da, dass es seit Jahren höchstrichterlich erlaubt ist, dass Ehen bestehen bleiben in welcher der Partner, oder die Partnerin, sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen?
Die Welt ist davon nicht untergangen, das Abendland schon gar nicht. Im Gegenteil: Die Weiterentwicklung der Menschen- und Bürgerrechte, die Errungenschaften von gesellschaftlicher und Individueller Freiheit in Selbstbestimmung und Toleranz, die Stärkung der pluralistisch und demokratischen Zivilgesellschaft gegenüber reaktionär-totalitären-extremistischen Tendenzen, die wir ja gerne verstärkt außerhalb des „Abendlandes“ wähnen, macht mit der Anerkennung der Verschiedenhaftigkeit der sexuellen Orientierung und der Öffnung der Ehe für die Selbstbestimmung von Liebe und Verantwortung einen gewaltigen Sprung nach vorne.
Homophobie ist bei vielen durch Angst vor Unbekanntem entstanden. Man sollte sich in der heutigen Welt mit offenen Augen umschauen. Und verstehen, dass die Öffnung der Ehe nicht bedeutet, dass bestehende Ehen genau gar nichts verlieren. Aber die Gesellschaft verliert etwas. Nämlich einen Grund von Diskriminierung.
Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Niemand darf in seinen Gefühlen von staats- oder institutioneller Seite bevormundet werden. Das ist Ausfluss der Menschenwürde.
Oder kurz in Abwandlung von Art. 1 GG: Die Liebe des Menschen ist unantastbar.
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Öffnen wir die Ehe nicht weil Irland es getan hat, nicht weil wir der Kirche einen reinwürgen wollen, nicht weil es cool ist bisschen queer zu sein, sondern wir öffnen die Ehe für die Liebe!




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