Bei einem gemeinsamen Treffen diskutierten die Mainzer GRÜNEN und Mainzer Naturschutzverbände ökologisch und verkehrspolitisch nachhaltige Alternativen zu den aktuellen Plänen zum Ausbau der A 643 zwischen Mainzer Dreieck und Schiersteiner Brücke. Die dafür nötigen Bauarbeiten sind mit irreparablen Schäden an den europaweit einzigartigen Naturschutzgebieten „Mainzer Sand“ und „Lennebergwald“ verbunden. Der verkehrspolitische Nutzen dieses 250 Millionen Euro teuren Ausbaus, dem die wertvolle Natur geopfert wird, ist dagegen gleich null. Stattdessen wäre ein geringer Ausbau auf vier Spuren plus zwei Standspuren, die bei Bedarf zu Fahrspuren gemacht werden, verbunden mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h für den Verkehrsfluss, den Schutz der Natur und den Lärmschutz um einiges effektiver und außerdem deutlich billiger.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gesprächs erklären:
„Der geplante Ausbau der A 643 zerstört wertvolle Naturlandschaften, die eine für Deutschland und Mitteleuropa einzigartige Tier- und Pflanzenwelt beherbergen. Die seltenen Arten reichen bis zum Rand der bisherigen Autobahn und wegfallende Flächen könnten bei einem Ausbau nicht – wie sonst üblich – an einem anderen Ort ausgeglichen werden. Zusätzlich ist das Projekt mit hohen Kosten verbunden, die an anderen Stellen fehlen.
Diese hohen Opfer sind jedoch völlig unsinnig, da der sechsspurige Ausbau keinerlei verkehrliche Nutzen bringen wird. Es wird nach dem Ausbau keinen Stau weniger geben, da die Stauursachen nicht in der Fahrbahnbreite, sondern in den überlasteten Ab- und Auffahrten sowie der Engstelle Schiersteiner Kreuz liegen. Mit der Erweiterung auf sechs Spuren wird so der Stau nicht beseitigt, sondern nur der Stauraum verbreitert. Das kann nicht die Lösung sein.
Stattdessen schlagen wir vor, durch intelligente Verkehrsführung, -beeinflussung und Drosselung der Geschwindigkeit den Verkehrsfluss zu beschleunigen und Staubildungen zu reduzieren. Dies wird erfolgreich auf vergleichbaren Strecken praktiziert, die wie die A 643 durch die vielen Ab- und Auffahrten den Charakter einer Stadtautobahn haben. Zu verkehrsstarken Zeiten werden hier die Standstreifen als Fahrspur freigegeben und die Geschwindigkeit generell auf 80 km/h begrenzt. Dies führt effektiv bei hohem Verkehrsaufkommen sogar zu einer Verkürzung der Reisezeit, bei freier Fahrt macht die Geschwindigkeitsreduzierung von 130 auf 80 km/h auf der betreffenden 6,6 Kilometer langen Strecke einen Zeitunterschied von unter einer Minute aus.
Für diese viel effektivere Lösung müssten auf der A 643 lediglich die Standstreifen ausgebaut und elektronische Anlagen zur Verkehrssteuerung installiert werden. Damit würden nicht nur wertvolle Schätze der Natur geschont, sondern auch der verkehrliche Nutzen erhöht und eine Menge Geld gespart. Durch die Geschwindigkeitsreduzierung vermindern sich außerdem die Lärmemissionen, weshalb auch Lärmschutzmaßnahmen billiger werden.
Für diese Alternativlösung werden wir uns als GRÜNE und Naturschutzverbände gemeinsam einsetzen. Wir laden alle anderen Gruppierungen und Parteien ein, sich gemeinsam für eine sinnvolle Alternative zu den aktuellen Ausbauplänen stark zu machen.“
Weitere Informationen zum Naturschutzgebiet Mainzer Sand und den Alternativvorschlägen finden Sie unter:
www.akumwelt.de
www.bund.net/index.php?id=4908
Gez.:
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Daniel Köbler (stellv. Fraktionssprecher und Landesvorstandssprecher)
Markus Gröninger (stellv. Fraktionssprecher)
Ansgar Helm-Becker (verkehrspolit. Sprecher und stellv. Ortsvorsteher Mombach)
Sylvia Köbler-Gross (stellv. Ortsvorsteherin Gonsenheim, Mitglied Verbandsversammlung Zweckverband zur Erhaltung des Lennebergwalds)
Giuseppe Lipani (Mitglied im Ortsbeirat Gonsenheim und Kreisvorstandssprecher)
Für die Naturschutzverbände:
Jürgen Weidmann (Vorsitzender AK Umwelt Mombach und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Mainzer Naturschutzverbände)
Heinz Hesping (stellv. Vorsitzender GNOR)
Christian Zindler (stell. Vorsitzender NABU Mainz und Umgebung)
Elke Blänsdorf (BUND, Kreisgruppe Mainz)
Gerhard Weitmann (GNOR)



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